Für nahezu alle Branchen und Bereiche eröffnet das Web3 neue Möglichkeiten und Potentiale. In diesem Artikel möchten wir dies für das Thema Lernen anhand von drei innovativen Anwendungen konkretisieren.

Das Web3 bietet Ansätze, erworbenes Wissen in Form von auf der Blockchain gespeicherten, unveränderbaren und fälschungssicheren Daten sichtbar zu machen und einfach validieren zu können. „Proof of Knowledge“ ist ein echter Gamechanger für alles, was bisher umständlich und oftmals mit Zusatzkosten verbunden als valide und echt verifiziert werden muss.
Autoren: André Sagasser und Roman Kropp
Beispiel 1: 101.xyz

101 ist eine Web3-gestützte Lernplattform mit Fokus auf interoperablen Qualifikationsnachweisen. Die Plattform ermöglicht es, Nachweise von in Kursen erworbenem Wissen in Form von NFT-Badges auf der Polygon Blockchain zu speichern und damit validierbar zu machen. “101“ ist auch der Name vieler Anfängerkurse an amerikanischen Universitäten und steht damit als Synonym für Basiswissen.
Angebot und Funktionsweise
Das Angebot umfasst unterschiedliche Kurse, für deren erfolgreichen Abschluss Nutzer NFTs sowie zur Incentivierung genutzte Krypto-Tokens erhalten. Des Weiteren wird Token-Gating angeboten, d.h. der Zugang zu manchen Kursen ist auf Besitzer bestimmter Tokens beschränkt. Hiermit kann man z.B. aufeinander aufbauende Kurse gestalten oder nur einer spezifischen Community Zugang gewähren.
Das aktuelle Angebot reicht von Blockchain-Grundlagen über die Vorstellung unterschiedlicher Projekte bis hin zu Kursen über die unter Web3-Enthusiasten beliebte Kommunikations-App Discord. Die Umfänge sind kurzgehalten, ein Kurs dauert meist nur wenige Minuten.
Lernablauf

Die Präsentation der Kursinhalte erfolgt in Form mehrerer Folien, die man nacheinander durchklicken kann. Es erfolgt eine Wissensabfrage in Form eines Quiz mit Multiple-Choice-Fragen. Nach erfolgreichem Abschluss erhält man ein NFT-Badge, welches die erfolgreiche Teilnahme am entsprechenden Kurs bestätigt und kostenlos “geclaimt“ werden kann. Die anfallenden Transaktionsgebühren werden dabei von 101 übernommen, sodass für den Nutzer keine Kosten anfallen.
Aktuell werden die erworbenen Badges von Web3-Projekten genutzt, um verifizieren zu können, dass man sich mit der jeweiligen Anwendung auseinandergesetzt hat. Dies ist oft mit Vorteilen, wie z.B. dem Erhalt exklusiver Rollen im Discord des Projekts, dem Zugang zu Testnets oder dem kostenlosen Erhalt von Projekttokens (Airdrop) verbunden.
Die Gesamtanmutung bei 101 ist eher spielerisch. Die Plattform wird bereits von einigen interessanten Projekten mit zur Verfügung gestellten Kursen genutzt. Die weitere Entwicklung und Adaption bleiben abzuwarten.
Beispiel 2: LearnWeb3Dao

Die Mission der LearnWeb3Dao-Plattform ist es, so viele Entwickler wie möglich ins Web3 zu bringen. Ziel ist es, Informationen und Wissen zur Entwicklung von Web3-Anwendungen an einem Ort zu bündeln und lernbar zu gestalten. Damit sollen Interessierte überall auf der Welt in die Lage versetzt werden, ihre eigenen Web3 Applikationen und Protokolle zu entwickeln.
Ein großes Anliegen der Gründer von LearnWeb3Dao ist es dabei, unterrepräsentierte Gruppen in der Tech-Branche (wie z.B. Frauen und People of Color) zu fördern, zu vernetzen und zu Web3-Entwicklern auszubilden.
Angebot und Funktionsweise
Wie 101.xyz verfügt auch LearnWeb3Dao über eine Kursstruktur, die jedoch sehr spezifisch auf das Thema Web3-Entwicklung ausgerichtet ist, aufeinander aufbaut und bereits sehr professionell ausgestaltet erscheint.
Den Einstieg bildet der Kurs “Freshman”, in welchem Grundlagen von Web3 und Blockchain behandelt werden. Dabei bleibt es nicht nur bei oberflächlicher Wissenspräsentation und -abfrage, man kommt innerhalb des Kurses bereits ins Tun, erstellt und richtet eine Wallet sowie Entwicklungsumgebung ein und programmiert zum Ende des Kurses eine erste einfache Applikation, Kryptowährung und ein NFT.
Es folgen weitere Kurse die noch tiefer auf die Web3 Entwicklung eingehen und immer komplexere Projekte und Aufgaben enthalten. Der Umfang der Kurse reicht dabei von mehreren Stunden bis hin zu Tagen. Die Basiskurse beziehen sich alle auf die Ethereum-Blockchain, deren Programmiersprache Solidity und die entsprechenden Entwicklungsumgebungen und Portale. Weitere Kurse zu Blockchain und Web3 Projekten befinden sich aktuell in der Entwicklung. So wird die Plattform Stück für Stück um vielversprechende Projekte erweitert.
Lernablauf
Hat man sich für einen Kurs entschieden, öffnet sich ein neuer Tab, in dem neben einer kurzen Einführung auch die einzelnen Kapitel des Kurses mit dem bisherigen Lernfortschritt dargestellt sind. Die Aufmachung ist an Web2-Lösungen angelehnt und die Plattform intuitiv nutzbar.

Die einzelnen Kapitel sind in Abschnitte unterteilt. Entweder ist die entsprechende Erklärung direkt dargestellt oder es sind zusätzliche Dokumente mit den zu erlernenden Inhalten verlinkt. Am Ende jedes Abschnitts findet eine Wissensabfrage in Form von Multiple-Choice-Fragen, im weiteren Verlauf in Form von Abfragen z.B. des Hashs von erstellten Projekten und Smart Contracts statt, damit dieser von der Plattform geprüft werden kann.

Am Ende des Kapitels kann man die beantworteten Fragen zur Prüfung einreichen. Ist diese erfolgreich absolviert, erhält man den entsprechenden Nachweis kostenlos in Form eines NFTs auf der Polygon Blockchain. Des Weiteren sind die NFTs, als sogenannter Proof of Knowledge, im eigenen Profil auf LearnWeb3Dao ersichtlich.


Die Plattform wirkt sehr professionell und gut durchdacht. Die Kurse vermitteln anwendungsorientiert fundiertes Wissen und befähigen Teilnehmende, nach Abschluss Web3-Entwicklungen durchzuführen und in den Bereich potentiell auch beruflich einzusteigen.
Beispiel 3: Cert4Trust
Ein weiterer interessanter Aspekt des Lernens im Web3 ist die Digitalisierung und Validierung von Dokumenten mit Nachweischarakter wie z.B. Zeugnissen.
Bei analogen Dokumenten besteht mit den heutigen technischen Werkzeugen und Tools immer die Möglichkeit der Fälschung. Um hier eine zweifelsfreie Validierung herbeizuführen ist entweder eine Beglaubigung oder eine Rückversicherung bei der ausstellenden Institution erforderlich. Digitale Dokumente sind entweder simple Kopien der analogen Version oder von einer Institution validiert, wobei oftmals auch hier die Möglichkeit von Manipulation und Fälschung besteht. Die erforderlichen Validierungsprozesse sind mit Kosten und Zeitaufwand verbunden und erschweren damit verknüpfte Prozesse wie z.B. Bewerbungen.
Um dies effizienter und kostengünstiger zu gestalten, gibt es bereits verschiedene Ansätze, mithilfe von Blockchain-Technologie die Fälschungssicherheit und Gültigkeit von digitalen Dokumenten sicherzustellen. Exemplarisch dafür ist das Projekt Cert4Trust, welches durch die Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern gemeinsam mit dem Bayerischen Staatsministerium für Digitales initiiert wurde. Weitere Gründungspartner sind die Landeshauptstadt München und die Handwerkskammer für München und Oberbayern.
Die Funktionsweise von Cert4Trust lässt sich gut an folgendem Beispiel erklären:

1. Zeugniserstellung
- Die ausstellende Institution gibt neben einem analogen Zeugnis auch eine digitale Version aus.
- Das digitale Zeugnis wird durch Cert4Trust gehasht und auf der Ethereum Blockchain gespeichert.
- D.h. dass aus den digitalen Eigenschaften des Dokuments, mittels einer mathematischen Funktion eine einzigartige alphanumerische Zeichenfolge, ein sogenannter Hash, erstellt wird. Dieser Hash ist deterministisch, was bedeutet, dass derselbe Input an Daten immer denselben Output liefert.
- Dieser Hash wird auf der Blockchain dauerhaft und technologiebedingt unveränderbar und fälschungssicher gespeichert. Hierbei ist es auch möglich, weitere Informationen wie Aussteller und Gültigkeit des Zertifikats mitzuspeichern.
2. Bewerbung
- Im Rahmen einer Bewerbung übermittelt der Zeugnisinhaber dem potenziellen Arbeitgeber sein digitales Zertifikat.
3. Validierung
- Der potenzielle Arbeitgeber prüft das vom Einreichenden erhaltene digitale Zertifikat auf Echtheit, indem er die Datei auf der Webanwendung von Cert4Trust hochlädt. Cert4Trust erzeugt aus dem digitalen Zertifikat nun erneut einen Hash und vergleicht diesen mit dem in Schritt 1 auf der Blockchain gespeicherten und validierten Hashwert.
- Wenn der erzeugte Hashwert mit dem gespeicherten übereinstimmt, ist zweifelsfrei nachgewiesen, dass es sich um ein originales, gültiges Zertifikat handelt.
Der dargestellte Prozess mit einem IHK-Zertifikat ist exemplarisch und lässt sich einfach und schnell auf andere Anwendungsbereiche übertragen. Dies könnten im Bereich Lernen zum Beispiel Abschlusszeugnisse von weiterführenden Schulen, Hochschulen oder auch Zertifikatslehrgängen sein. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels wurden bereits über 36.000 Zeugnisse mit Cert4Trust auf der Ethereum Blockchain validierbar gemacht.
Fazit
Die dargestellten Beispiele zeigen, dass sich der Lernprozess im Web3 nicht grundlegend von aktuellen Lösungen unterscheidet. Neu und höchst interessant ist aber, dass das erworbene Wissen in Form von auf der Blockchain gespeicherten, unveränderbaren und fälschungssicheren Daten sichtbar und validierbar gemacht wird.
Dies bietet sowohl für Unternehmen, öffentliche Institutionen als auch für Privatpersonen Vorteile und kann helfen, Prozesse zu beschleunigen, zu digitalisieren sowie effizienter und sicherer zu machen:
- Im Rahmen von Bewerbungs- und Zulassungsprozessen entfällt die Notwendigkeit von Beglaubigungen und damit verbundener Kosten und Zeitverluste.
- Bei der Personalsuche wird das Web3 helfen Kandidaten mit spezifischem Wissen zu finden, gezielt anzusprechen und dabei neutraler und unvoreingenommener vorzugehen. So wird man ggf. auf Kandidaten aufmerksam, die sonst aus dem Raster gefallen wären und es bietet sich die Möglichkeit von echter Chancengleichheit.
- Länderübergreifende (Hochschul-) Kurse bei denen man, mit dem entsprechendem Nachweis im Wallet, einfach und ohne Bürokratie an Kursen anderer Bildungseinrichtungen teilnehmen kann und diese Nachweise gegenseitig anerkannt werden.
- Bei der Validierung von Befähigungen wie KFZ-, LKW-, Kran- Stapler- oder Bootsführerscheinen, ohne die Voraussetzung Unterlagen in Papierform vorhalten, mitführen und kontrollieren zu müssen. Dies könnte zukünftig sogar mit den jeweiligen Maschinen verknüpft sein und in Echtzeit abgefragt werden. Die Möglichkeiten sind immens!
- Die Liste mit möglichen Anwendungsfällen könnte man nahezu endlos fortführen. Fest steht: Web3 wird das Lernen und dabei insbesondere die Wissensverifikation und was damit zusammenhängt stark verändern. Und das rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, weltweit, fälschungssicher, unveränderbar — im Web3, auf der Blockchain.
Über die Autoren
André Sagasser ist Blockchain-Enthusiast und Generalist mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Business Development, Strategie und Projekten. Er befasst sich mit Möglichkeiten und neuen Entwicklungen im Web 3 und wie diese im unternehmerischen Umfeld Anwendung finden können.
Roman Kropp ist Unternehmensberater und Web3-Experte mit langjähriger Erfahrung in globalen Digitalisierungsprojekten. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind Smart Contract-Blockchains, insbesondere Ethereum, sowie NFTs und das Personalwesen im Web3.
